Kurzfilme

13.01.2016

Kurzfilme – Bewerbungsformat und Experimentierplattform

 

Kurzfilme gab es schon immer. In den Anfangszeiten des Kinos waren alle Filme nach heutiger Definition Kurzfilme, erst in den späten 1910er und 1920er Jahren wurden die Filme länger. Ende der 20er Jahre waren nur noch Komödien oder Trickfilme kürzer als 30 Minuten. Durch das Fernsehen wurde der Kurzfilm schließlich fast ganz verdrängt. Nach einer Wiederbelebung in den 60er Jahren etablierte sich in den 70ern der Kurzfilm als Bewerbung von Filmstudenten. Hier konnten sie ohne viel Budget ihr Können unter Beweis stellen. Das ist bis heute so geblieben, jedoch experimentieren auch bereits renommierte RegisseurInnen gerne mit der Kürze. Das kurze Format erfreut sich in Deutschland inzwischen großer Beliebtheit. Für Crew und Schauspieler ist es oft Ehrensache, umsonst oder für kleines Geld an der Entstehung mitzuwirken. Der Kurzfilm bietet die Möglichkeit, große Geschichten auf Essentielles herunterzubrechen und ungewöhnlichere Darstellungsmethoden auszuprobieren. Dabei gibt es keine klaren Vorgaben, was etwa die Länge betrifft. Laut den Vorgaben des deutschen Filmförderungsgesetzes gilt ein Film mit einer Länge von maximal 15 Minuten inklusive Vor- und Abspann als Kurzfilm.

Das Format Kurzfilm verdankt seine Verbreitung vor allem Online-Plattformen wie Youtube und Vimeo. Vor allem unter jungen Filmemachern sind diese sehr beliebt. Dort veröffentlichte Kurzfilme erreichen nicht selten tausende Zuschauer. Bekannte Kanäle sind zum Beispiel „Rodja und Timo zeigen Independent Kurzfilme“ oder die „Deutschen Kurzen“. Aber auch verschiedene Fernsehsender bieten in speziellen Sendeformaten die Gelegenheit, neue Kurzfilme zu sehen: So läuft auf Arte bereits seit 2001 freitagabends das Magazin „Arte Kurzschluss“, in dem internationale Kurzfilme und Reportagen zum Thema gezeigt werden.

Online kann man sich hier derzeit beispielsweise den Film „Herman the German“ von Regisseur Michael Binz mit Gustav Peter Wöhler in der Hauptrolle ansehen. In dem virtuos gestalteten Film entdeckt der Bombenentschärfer Herman, dass er sich offenbar vor nichts fürchtet. Mit Hilfe einer Ärztin (Anke Engelke) versucht er etwas zu finden, das ihm Angst macht. Hermans Geschichte wird von Regisseur Binz in tollen Bildern mit einer besonderen Ästhetik und Liebe fürs Detail erzählt. Der Kurzfilm lief auf zahlreichen Festivals und gewann 2015 unter anderem die Publikumspreise des Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken und der Internationalen Kurzfilmwoche in Regensburg.

Auch SWR, hr, WDR und BR haben eigene Kurzfilmsendungen im Programm, die allerdings leider immer noch in die späten Abend- und Nachtstunden verbannt werden. So kann man beispielsweise zurzeit die deutsch-griechische Koproduktion „Brot und Oliven“ von den Regisseuren Alexander Jaschik und Iordanis Orfanidis ansehen, die in der letzten Kurzfilmnacht des BR gezeigt wurde. Der 30-minütige Film aus dem Jahr 2014 hat die Folgen der griechischen Wirtschaftskrise zum Thema und zeigt die Brüder Vangelis und Leonidas auf ihrem Weg nach Deutschland mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Mit viel Humor und überzeugenden Darstellern spielt der Film mit griechischen und deutschen Klischees.

Trotz der im Großen und Ganzen fehlenden Präsenz im Fernsehen hat der Kurzfilm einen festen Platz in der deutschen Filmbranche. Das zeigt sich auch an den vielen Kurzfilmfestivals, die es inzwischen in Deutschland gibt. Die internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (05. bis 10. Mai 2016) wurden bereits 1954 gegründet und sind damit das älteste Kurzfilmfestival der Welt. Weitere wichtige Termine für die Szene sind die Regensburger Kurzfilmwoche (09. bis 16. März 2016) sowie das Internationale KurzFilmFestival in Hamburg (31. Mai bis 6. Juni 2016). Die Berlinale hat mit den „Berlinale Shorts“ eine eigene Kategorie für Kurzfilme. Die nominierten Filme werden pünktlich zum Festival auf der Homepage veröffentlicht.

c.

 

Kurzfilme

Zum Thema Kurzfilme bieten wir euch auch zwei Interviews mit Filmemachern

Constantin Maier

Damian Schipporeit

 

Kurzfilme im TV

Arte: Kurzschluss, freitagnachts

Bayrischer Rundfunk: Kurzfilmnacht, 20. Januar 2016, 23:10 Uhr

Hessischer Rundfunk: Frischfilm, unregelmäßig, letzte Folge: 3. Dezember 2015

WDR: Kinozeit Kurzfilm, unregelmäßig, letzte Folge: 27. September 2015

 

Weiterführende Links

AG Kurzfilm (Bundesverband deutscher Kurzfilm)

http://kurzfilmkanon.blogspot.de/

https://de-de.facebook.com/brotundoliven

Kurzfilmagentur Hamburg

„Nord Shorts“ – Kurzfilme bundesweit auf Kinotour