Das finstere Tal

13.01.2016

Western in den Alpen

 

DasfinstereTalDer österreichisch-deutsche Film „Das finstere Tal“ aus dem Jahr 2014 überzeugt mit einer eindringlichen Geschichte, faszinierenden Aufnahmen und guten Darstellern. Die Mischung aus verschiedenen Filmgenres macht Hoffnung auf eine Stärkung des deutschen Genrefilms.

Die Koproduktion „Das finstere Tal“ ist in vielen Punkten eine Besonderheit: Ein für deutschsprachige Gewohnheiten ungewöhnlicher Genremix aus Western, Thriller und Heimatfilm, großartige Bilder des Winters in den Alpen und eine aufwühlende Geschichte, die noch lange nachwirkt.

Sam Riley kommt im finsteren Tal dunklen Geheimnissen auf die Spur

Der Film, nach einem Roman von Thomas Willmann, erzählt die Geschichte des Amerikaners Greider (Sam Riley), der im 19. Jahrhundert in einem abgelegenen Alpendorf Zuflucht vor dem Winter sucht. Er ist bewusst dorthin gekommen, um die Bewohner und die Landschaft zu fotografieren. Für die meisten Dorfbewohner ist diese neue Technik noch unbekannt und man begegnet dem Fremden mit Skepsis. Doch schnell wird klar: Irgendetwas schwelt unter den Dorfbewohnern. Eine Gruppe von Brüdern (darunter Tobias Moretti und Clemens Schick) beherrscht die Gemeinschaft und verbreitet Angst und Schrecken. Luzi (Paula Beer), die Tochter des Hauses, in dem Greider unterkommt, will demnächst heiraten, fürchtet sich aber trotz ihrer Liebe zu Bräutigam Lukas (Thomas Schubert) aus unerfindlichen Gründen vor diesem Schritt. Greider lebt sich derweil ein, stößt jedoch bald mit den dominierenden Brüdern zusammen. Regisseur Andreas Prochaska lehnt sich in seiner Darstellung stark an amerikanische Western an: Sporen an Lederstiefeln, das Pferd als bevorzugtes Transportmittel, der raue Arbeitsalltag in einem harten und kalten Winter.

Der Film baut eine mitreißende Spannung auf, die schließlich in einem heftigen,  langanhaltenden Finale gipfelt. Schonungslos und packend wird die Geschichte einer traumatisierten Dorfgemeinschaft erzählt, die regungslos ihr Schicksal erträgt. Der fremde Amerikaner, dessen Rolle sich erst am Ende offenbart und daher hier verschwiegen werden soll, ist ein deutlich nicht-zugehöriger Teil dieser verschworenen, mürrischen Gemeinschaft, die doch am Ende ihre Errettung herbeisehnt.

„Das finstere Tal“ ist ein ungewöhnlicher Film, der nicht zuletzt dank seiner starken Schauspieler, allen voran Tobias Moretti und Sam Riley, im Gedächtnis bleibt. Derartige Genrefilme sind in der deutschen Filmlandschaft selten. So bleibt es zu hoffen, dass die Erfolgsgeschichte der Koproduktion, die unter anderem mit dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet wurde, andere inspiriert und in Zukunft mehr Filme dieser Art gefördert und gedreht werden.

c.

Das finstere Tal

Österreich / Deutschland 2014, Regie und Drehbuch: Andreas Prochaska, Produzent: Helmut Grasser, Darsteller: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Thomas Schubert, Clemens Schick, u.a.

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