Pappa ante Portas

11.01.2016

Der Ruhestand als Familienkatastrophe

 

Pappa ante portas Loriot dvd-coverEin Vorruheständler versucht, seinen neuen Platz in der Welt zu finden, und geht dabei seiner Familie auf die Nerven. Loriots zweiter Kinofilm ist eine ruhige Komödie mit viel Liebe zum Detail.

„Der blattweise Einkauf von Schreibmaschinenpapier ist kaufmännisch nicht zu verantworten!“ – Heinrich Lohse (Loriot), Leiter der Einkaufsabteilung bei einem Rohrhersteller, hat wegen des Preisvorteils einen Papiervorrat für etwa 40 Jahre geordert. Die Firma schickt ihn daraufhin in Frühpension. Nun hat er Zeit, sich seiner Familie zu widmen, und fasst den Vorsatz, das „Unternehmen der Familie Lohse“ kompetent zu leiten.

Doch er ist in Sachen Haushalt völlig ahnungslos. Ohnehin sind seine Frau Renate (Evelyn Hamann), der sechzehnjährige Sohn Dieter (Gerrit Schmidt-Foß) und die Haushälterin Frau Kleinert (Inge Wolffberg) bisher blendend zurechtgekommen.

Ein Fremdkörper in der eigenen Villa

Heinrich erfährt erst jetzt von der Existenz einer Haushälterin und möchte sofort ihre Arbeitsabläufe umorganisieren. Er packt mit an und lässt dabei Bettzeug aus dem Fenster in die Kletterrose fallen. Mit seinem Sohn versucht er unbeholfen, ein verspätetes Aufklärungsgespräch zu führen. Als Fachmann für den Einkauf übernimmt Heinrich auch im Haushalt diese Aufgabe: Die Szene, in der er sich mitten in den Lebensmittelladen stellt und verkündet: „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“, ist einer der vielen textlichen Glanzpunkte des Films. Heinrich kauft anschließend aus Ersparnis-Gründen 150 Gläser Senf.

17 Jahre waren Heinrich und Renate „sehr gemütlich verheiratet“, wie sie es ihrer Freundin gegenüber ausdrückt. Aber eben auch deshalb, weil er selten zu Hause war. Die Freundin weiß: „Ehepaare sind nur glücklich, wenn einer nie Zeit hat.“ Also nimmt Renate einen Job bei einem Schokoriegelhersteller an.

 

„Das ist eine hochwertige Kokosfüllung mit Pistazienschaum als Trägermasse“

Unglücklicherweise muss sie dort Pralinen testen, bis ihr schlecht wird, was Evelyn Hamann geradezu ansteckend spielt. Dann hat sie auch noch mit Annäherungsversuche des Chefs zu kämpfen. Ihr wird klar, dass ihr Platz in ihrem Zuhause ist.

Die Situation eskaliert allerdings gleich darauf: Heinrich hat, um Renate eine Freude zu machen, ein Filmteam in die Villa geholt, damit das Haus und er später in einem Fernsehserien-Finale zu sehen sind. Das Filmteam stellt den Haushalt komplett auf den Kopf und ist noch lange nicht mit den Arbeiten fertig, als Renate nach Hause kommt. Nach einem heftigen Streit reden die Lohses nicht mehr miteinander.

Natürlich kommt es dennoch zu einem versöhnlichen Ende, allerdings auf Loriot-Art nur begrenzt paradiesisch.

Klar: Die klassisch patriarchale Rollenverteilung in einem gepflegten Villenhaushalt dürfte für die meisten Zuschauer schon 1991 nicht exakt ihr Leben widergespiegelt haben. Dennoch ist der Konflikt zwischen der Hausfrau, die bisher alles im Griff sowie ein eigenes soziales Leben hatte, und dem ehemaligen leitenden Angestellten im Nutzlosigkeitsschock absolut nachvollziehbar.

 

Loriots Dialoge kann man gar nicht oft genug hören

Der als Perfektionist bekannte Loriot brilliert als Darsteller, Regisseur und Autor. Von feinem Sprachhumor über Situationskomik bis zum Slapstick bietet „Pappa ante Portas“ für alle Geschmäcker etwas. Viele Dialoge möchte man sofort zurückspulen, um sie sich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen. Die Requisite und das Geschehen im Hintergrund sind plan- und liebevoll arrangiert. Insgesamt wird der Film beim mehrmaligen Gucken nicht langweiliger, sondern man kann immer noch neue Details entdecken oder die besten Dialoge mitsprechen.

„Pappa ante Portas“ war im Jahr 1991 in den deutschen Kinos der erfolgreichste einheimische Film und der siebterfolgreichste insgesamt (Quelle: Wikipedia). Rund 3,5 Millionen Besucher haben ihn damals gesehen. Er ist ein Klassiker des guten deutschen Humors, der keinem Haushalt fehlen sollte.

e.

 

Pappa ante Portas

Komödie, Deutschland 1991. Buch und Regie: Loriot. Musik: Rolf Wilhelm. Darsteller: Loriot (Heinrich Lohse, Opa Hoppenstedt, Lothar Frohwein, Geigenspieler), Evelyn Hamann (Renate Lohse), Irm Hermann (Hedwig), Inge Wolffberg (Frau Kleinert), Ortrud Beginnen  (Gertrud Mielke), Dagmar Biener (Brigitte Mielke) u. v. a. Länge: 84 Minuten. Anbieter: Universum Film GmbH.