Interview mit Bernd Desinger (Filmmuseum Düsseldorf), Teil 1

„Wir zeigen wunderbare Dinge“

 

Der Filmclub im Gespräch mit Bernd Desinger, Direktor des Filmmuseums Düsseldorf, über seine spannende Arbeit und den pädagogischen Ansatz des Museums.

1.Etage© Filmmuseum D

FILMCLUB: Es gibt nicht so viele Filmmuseen in Deutschland?

BERND DESINGER: Das ist völlig korrekt. Im Grunde gibt es nur drei Filmmuseen, die mit uns vergleichbar sind. Das Deutsche Filminstitut in Frankfurt, die Deutschen Kinemathek in Berlin und das Filmmuseum in Potsdam, was das DEFA-Erbe behandelt und Nachfolger des DDR-Filmmuseums ist. Alle sind Vollspartenmuseen mit einem eigenen Kino, einem Archiv und einer Bibliothek. Daneben haben alle eine Ausstellungsfläche für Dauerausstellungen und Sonderausstellungen werden kuratiert.  Außerdem wird viel Wert auf die filmpädagogische Arbeit gelegt, was uns ebenfalls sehr wichtig ist.

 

Wie sieht die filmpädagogische Arbeit des Filmmuseum Düsseldorf konkret aus?

Neben Angeboten für Kinder und das reifere Publikum, versuchen wir auch eine Brücke zur jüngeren Generation bauen. Seit ein paar Jahren sind nun auch die 16- bis 28-jährigen häufiger bei uns zu Gast.

Wir haben unterschiedliche Kooperationen, wie das Studentenfilmfest, das wir jetzt zum sechsten Mal in Kooperation durchgeführt haben. Abschlusstag und Preisverleihung ist bei uns im Hause.

Daneben gibt es Untertitelungsseminare mit den verschiedenen Sprachfachschaften und Fachbereichen. Wir arbeiten zusammen mit den Politikwissenschaftlern, den Historikern und den Literaturwissenschaftlern. Hier gibt es Reihen und Seminare, wo der Film ein wichtiger Bestandteil für die Bearbeitung des Themas ist.

Mit diesem pädagogischen Ansatz erreichen wir nicht nur Menschen aus Düsseldorf und Umgebung, sondern aus ganz Nordrhein-Westfalen.  Die unterschiedlichsten Schulen nehmen an Programmen und Führungen teil, es gibt Filmdrehs und Workshops. Von hochakademischen, filmanalytischen Seminaren bis hin zu „Wie mache ich eigentlich einen Film“, lernen junge Menschen bei uns etwas über Film.

 

Haben Sie denn auch Angebote für Kinder?

Es gibt schon Workshops für die ganz Kleinen, ab acht  Jahren. So wird – im besten Fall – schon die frühkindliche Begeisterung für das Medium Film geweckt. In manchen Phasen haben wir einen solchen Andrang, dass wir es fast gar nicht bewältigen können. Aber das ist eine glückliche und schöne Situation.

 

Sie wollen hier im Museum insgesamt noch mehr verändern? Was sind Ihre Pläne für die Zukunft, vor allem für die Dauerausstellung?

Die Neu-Gestaltung der Dauerausstellung ist seit meinem Antritt in Planung. Leider fehlen dafür noch die Mittel, aber ich hoffe darauf, dass sich in nicht allzu weiter Ferne neue Möglichkeiten ergeben.

Dennoch haben wir schon Einiges gemacht, vor allem in der Abteilung für Special-Effects und für Science Fiction. Daneben gibt es auch eine neue Multimedia-Ausstellung  zu deutschen und internationalen Regisseuren aus unterschiedlichen Jahrzehnten.

Allerdings ist das noch nicht der große Wurf, da bin ich ehrlich.

 

Meinen Sie, dass würde auch das jüngere Publikum wieder stärker in die Dauerausstellung ziehen?

Auf jeden Fall. Um auch das junge Publikum zu begeistern, muss die Dauerausstellung überarbeitet und neu aufgestellt werden. Und man würde auch ein Stück weit gleichziehen mit Frankfurt, Berlin und Potsdam. In den anderen Filmmuseen sind die Dauerausstellungen mehrfach überholt worden und wir haben immer noch die Grundform von damals. Natürlich haben wir auch jetzt eine tolle Ausstellung, die wunderbare Dinge zeigt, aber auf lange Sicht muss sich etwas ändern.

Man muss natürlich auch sagen, dass das Filmmuseum Düsseldorf das Einzige ist, das finanziell allein von einer Stadt getragen wird. In Berlin stehen Bundesmittel zur Verfügung und in Frankfurt engagiert sich zum Beispiel das Land sehr viel stärker.

 

Aber bei den Sonderausstellung sind Sie schon sehr erfolgreich, oder?

Das stimmt. Die Sonderausstellungen, die wir hier in den letzten Jahren gemacht haben, waren extrem erfolgreich. Die erste, bei der ich dabei war, war die Polanski-Ausstellung „Roman Polanski, Regisseur und Schauspieler“, dann kam „40 Jahre Tatort“ gefolgt von „Der Schatz im Silbersee- Der Mythos des amerikanischen Westens in Deutschland“ und „Fürsten der Finsternis -Vampirkult im Film“ und zuletzt „Visionen und Alpträume – Die Stadt der Zukunft im Film“.

All diese Ausstellungen haben auch eine enorme Presseresonanz nach sich gezogen. Die Medienresonanz hat sich fast verzehnfacht.  Auch das Interesse des Fernsehens war groß. Es wurde in ganz unterschiedlichen TV-Formaten und Sendern über uns berichtet. Wir waren in der Tagesschau, im Morgenmagazin, auf Arte und  im WDR mit unseren Ausstellungen zu sehen.

 

schattenlumiere© Filmmuseum DUnd demnächst haben Sie auch eine Ausstellung zu Lotte Reiniger?

Genau. Die Lotte-Reiniger-Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum in Tübingen entstanden und auch dort gestartet. Sie kommt dann im späten Frühling zu uns. Das wird eine sehr spannende und ästhetisch schöne Geschichte. Schwerpunkt ist „Prinz Achmed“, ihr größter Film. Ein anderes Thema der Ausstellung sind die wechselseitigen Einflüsse auf die anderen großen Filmkünstler, die mit ihr zusammengearbeitet haben.

 

Wo man ja Disney immer so hoch hält, dabei war Lotte Reiniger die eigentliche Pionierin des Animationsfilms.

Das stimmt, aber wer im Bereich Animation arbeitet, ob national oder international, der kennt Lotte Reiniger. Auch bei meiner Arbeit beim Goethe-Institut war sie immer ein Thema. Und das Interesse an ihrer Arbeit  ist und war immer sehr groß. Vor ein paar Jahren haben wir sie in Peking auf einem Kongress vorgestellt und dort auch „Prinz Achmed“, untermalt von Begleitmusik,  gezeigt. Und die Chinesen waren begeistert.

Ende Januar machen wir aber noch eine etwas kleinere, erweiterte Studio-Ausstellung unter dem Namen „Düsseldorf im Filmfieber!“ Hier wird die großartige Filmgeschichte Düsseldorfs gezeigt, mit spannenden Aspekten rund um Produktionsfirmen, Schauspieler und Regisseure, die aus diesem Ort kamen. Hier fanden viele wichtige Film-Premieren statt, wir hatten eine sehr lebendige Kinolandschaft und die erste Kinozeitschrift überhaupt, der „Kinematograph“ wurde in Düsseldorf verlegt. Also viele spannende Fakten rund die Filmstadt Düsseldorf.

 

k.n.

 

Filmmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf

 

Öffnungszeiten des Museums:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11:00 bis 17:00 Uhr
Mittwoch 11:00 bis 21:00 Uhr

Eintrittspreise Museum:
5,00 €, bei Sonderausstellung 7,00 € pro Person
ermäßigt 2,50 €, bei Sonderausstellung 5,00 €
Schulklassen, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahren haben freien Eintritt